1. Was ist Lepra?
    Lepra ist eine nichterbliche Krankheit, deren Erreger die Haut und das Nervensystem befällt. Das Lepra-Bakterium (Mycobacterium leprae) wurde 1873 von dem Arzt Gerhard Armauer Hansen aus Norwegen entdeckt. Bis heute ist die Züchtung dieses Erregers auf Kulturböden nicht gelungen, deshalb gibt es auch noch keinen Impfstoff gegen Lepra - aber Lepra ist heilbar!
  2. Wie wird Lepra übertragen?
    Der Ansteckungsweg ist nicht genau bekannt. Armutsbedingte Lebensumstände - insbesondere in den Ländern der "Dritten Welt" - begünstigen die Ansteckung. Lepra tritt deshalb auch häufig bei unter- und fehlernährten Menschen auf, die unter schlechten und beengten Wohnverhältnissen leben müssen. Lepra ist eine Krankheit der Armut und muß immer im Zusammenhang mit den allgemeinen Lebensbedingungen der Betroffenen gesehen werden. Im Mittelalter war auch in Europa die Lepra ein großes Problem. Mit der Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen verschwand jedoch diese "Krankheit der Armut". Übrigens: Von 100 Menschen auf der Welt haben 95 eine angeborene Abwehrkraft gegen den Lepraerreger. 
  3. Wie sieht das Krankheitsbild aus?
    Es gibt, vereinfacht gesagt, zwei Hauptformen der Lepra: eine nichtansteckende und eine ansteckende. Bei der nichtansteckenden Lepra leiden die Erkrankten vor allem unter Hautschäden und unter Befall der Nerven. So kann es beispielsweise zu Lähmungen der Hand, des Beines oder bestimmter Augennervern kommen. Der Ausfall von Augennerven kann zur Blindheit führen. Bei der ansteckenden Form der Lepra vermehren sich die Erreger sehr stark. Die Leprapatienten sind schon lange ansteckend, ohne die Krankheit an sich selbst bemerkt zu haben. Wenn sie ausbricht, führt die Erkrankung zur Bildung von Beulen und Knoten auf der Haut, und es kommt zu Nervenlähmungen. Die Geschwüre und Verstümmelungen, die man häufig bei Leprakranken sieht, werden selten direkt durch das Leprabakterium selbst hervorgerufen, vielmehr entstehen sie indirekt durch Nervenausfälle und die dadurch hervorgerufene Gefühllosigkeit. Ein Leprapatient, der beispielsweise kein Gefühl in seinen Händen hat, verletzt oder verbrennt sich leicht. Dann kommt es leicht zu Infektionen, die vom Patienten aufgrund des mangelnden Schmerzempfindens nicht genügend beachtet werden. Die Infektion kann bei Nichtbehandlung ungehindert fortschreiten, was bis zum Verlust der Gliedmaßen führen kann. 
  4. Welche Probleme sind mit dieser Krankheit verbunden?
    Rein medizinisch betrachtet ist der Verlust des Gefühls besonders problematisch: Ein eingeschränkter Tastsinn sowie die Gefühllosigkeit an Händen und Füßen führen leicht zu Verletzungen und Verbrennungen, die nicht oder erst (zu) spät bemerkt werden. Dann kommt es zu Entzündungen, die häufig ungehemmt fortschreiten können und im Endstadium zum Verlust von Gliedmaßen führen. Bei Augenerkrankungen kann Blindheit die Folge sein. Besonders schlimm sind für den Leprakranken die sozialen Probleme, die mit der Krankheit verbunden sind: es kommt immer noch vor, daß von Lepra betroffene Menschen aus ihrem bisherigen gesellschaftlichen Umfeld ausgegrenzt werden. Ein Grund hierfür ist die tiefsitzende, irrationale Angst vor einer Krankheit, die den Menschen so grausam verstümmeln kann. Im Mittelalter galt die Lepra auch bei uns als "Strafe Gottes". Ein Schwerpunkt der Arbeit des DAHW ist deshalb auch eine intensive Gesundheitsaufklärung in den von Lepra betroffenen Ländern, um durch Information über die Krankheit bestehende Ängste abzubauen.
  5. Wieviele Menschen leiden heute noch an Lepra?
    Etwa 1,2 Millionen Menschen sind heute noch von Lepra betroffen. Weltweit werden stündlich 60 neue Leprakranke entdeckt. Im Schnitt leiden von diesen 60 Menschen schon fünf unter schweren Behinderungen, 11 von ihnen sind Kinder unter vierzehn Jahren. Die Zahl der Neuinfektionen - ca. 600 000 pro Jahr - bleibt seit Jahren konstant. In den 290 Projekten des DAHW werden in 45 Ländern der Erde über 126.000 Menschen mit der Medikamenten-kombination gegen Lepra behandelt. Über 60.000 Kranke kamen im vergangenen Jahr neu in die Behandlung. 
  6. In welchen Ländern gibt es Lepra?
    Vor allem in den armen Ländern des Südens ist die Krankheit Lepra immer noch ein großes Problem. Am schlimmsten betroffen sind Indien mit über 70% aller Leprakranken, Indonesien, Brasilien und Myanmar, das frühere Burma.
  7. Ist Lepra heilbar?
    Ja, Lepra ist heilbar und zwar in einem relativ kurzen Zeitraum von 6 Monaten bis 2 Jahren. In dieser Zeit wird der Lepraerreger mit Hilfe wirksamer Medikamente vollständig abgetötet. Seit 1982 gibt es verschiedene Kombinationstherapien, an deren medizinischer Erforschung und Entwicklung das DAHW maßgeblich beteiligt war.
  8. Kann etwas gegen die entstandenen Behinderungen getan werden?
    Durch Operationen, Physiotherapie, orthopädische Schuhe, Prothesen und andere Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation kann korrigierend geholfen werden. Bleibende Nervenschäden können allerdings nicht behoben werden. Die Zahl der Menschen, die aufgrund einer Lepraerkrankung ihr Leben lang behindert bleiben, wird auf 1-2 Millionen geschätzt. 

Der Text stammt aus “Indien - Zahlen, Fakten, Meinungen” Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des DAHW Würzburg e.V.